„Cutting Edge!“ im Filmmuseum, 01.-29.06.2016

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Das Filmmuseum lädt vom 1. bis zum 29. Juni zu einer Film- und Vortragsreihe zum Thema Filmmontage ein.

Das Filmmuseum Düsseldorf veranstaltet von Mittwoch, 1. Juni, bis zum 29. Juni in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Film- und Vortragsreihe „Cutting Edge!“. Sie bietet einen Einblick in die Montage von Filmen, besser bekannt als der Schnitt. Er beeinflusst den Ablauf und die Wahrnehmung der Handlung im Kino erheblich. Auch wenn der Schnitt meist nicht bewusst wahrgenommen wird, so entscheidet er doch maßgeblich welche Emotionen und Empfindungen der Film bei uns auslöst.

Die Film- und Vortragsreihe „Cutting Edge!“ wurde von Martin Doll, Juniorprofessor für Medienkulturwissenschaft, entwickelt und möchte die Montage-Ästhetiken in neueren, aber auch zu Klassikern gewordenen Filmen würdigen: von der hyperaktiven Montage aktueller Actionsequenzen bis zur unter die Haut gehenden Komposition radikal entsubjektivierter Blicke im neueren Dokumentarfilm. Fünf Filme werden jeden Mittwoch im Juni um 20 Uhr gezeigt. Filmwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler geben jeweils eine kurze Einführung in die Filme und präsentieren die Besonderheiten der Montage.

Das Programm

„Drive“ (2011) – Triebbild und Triebmontage Mittwoch, 1. Juni, 20 Uhr Regie: Nicolas Winding Refn, mit Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston u.a.: „Drive“ bedeutet „fahren“, aber auch „Trieb“. Entlang dieser Doppelbedeutung lässt sich der Film von Nicolas Winding Refn nicht nur als ein Action-Film, sondern als ein Kino des „Triebbildes“ (Deleuze) begreifen: Erzählung und Montage durchlaufen eine Mutation, die der Filmtheoretiker Steven Shaviro jüngst als „PostContinuity“ bezeichnet hat. Einführung: Sulgi Lie (Los Angeles).

„The Noah“ (1975) – Unsichtbare Montage Mittwoch, 8. Juni, 20 Uhr Regie: Daniel Bourla, mit Robert Strauss, Geoffrey Holder, Sally Kirkland u.a.: 1968 gedreht und erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckt, gilt dieses Werk als eines der vergessenen Meisterwerke der Filmgeschichte. Über 100 Minuten lang zeigt der Film nur eine einzige Figur: den letzten Überlebenden eines Atomkriegs, der wie Robinson auf einer einsamen Insel die verlorene Zivilisation nachzubilden versucht. In seiner Imagination entsteht dabei alles von Neuem: ein Freund namens Friday, dann eine Frau, die diesem Gesellschaft leistet, dann die abendländische Gesellschaft mit ihren Gesetzen und Institutionen – und schließlich der Krieg, der zum zweiten Mal alles auslöscht. Einführung: Johannes Pause (Mannheim).

„Snake Eyes“ (1998) – Montage im Bild I: Split Screen Mittwoch, 15. Juni, 20 Uhr Regie: Brian De Palma, mit Nicolas Cage, Gary Sinise, John Heard u.a.: Im Kino und im Fernsehen der 1990er-Jahre (in „Timecode“ von Mike Figgis oder in der Fernsehserie „24“) ist das Verfahren der Split-ScreenMontage immer wieder an die Erfahrung von Echtzeit gekoppelt, so auch in „Snake Eyes“, Brian De Palmas konstruktivistischem Paranoia-Thriller um den Mordanschlag auf einen US-Verteidigungsminister während eines Boxkampfes in Atlantic City. In „Snake Eyes“ lenken sowohl die Split-Screen-Bilder als auch die obsessive Präsenz von Monitoren und Überwachungskameras die Aufmerksamkeit auf lückenhafte BlickStrukturen und auf das Wechselspiel von Sehen und Gesehenwerden. Einführung: Cecilia Valenti (Düsseldorf).

„Die Geburt einer Nation“ (1915) – Politik der (Parallel-)Montage Mittwoch, 22. Juni, 20 Uhr Regie: D.W. Griffith, mit Lillian Gish, Mae Marsh, Henry B. Walthall u.a.: David Wark Griffiths „Birth of Nation“ hält sich zuvorderst an die Montage, um der amerikanischen „Progressive Era“ vorzuführen, wie Kinopublikum und Filmbild selbst das Erbe des Bürgerkriegs zu denken hätten. Der Film wird von Daniel Kothenschulte (Stummfilmpianist, Autor, Kunstkritiker) live am Klavier begleitet. Einführung: Ulrich Meurer (Bochum).

„Leviathan“ (2012) – Montage im Bild II: Verteilte Aufmerksamkeit Mittwoch, 29. Juni, 20 Uhr Regie: Lucien Castaing-Taylor, Verena Paravel: Die Kamera bewegt sich unentwegt. Sie wird hin und her gerissen, taucht hinab in die Wellen und steigt wieder empor. So findet der Blick keinen Halt, zerstreut sich und taumelt. Montage findet statt im Filmbild, in der Aufteilung des Sichtbaren. In Lucien Castaing-Taylors und Véréna Paravels „Leviathan“ wird das Leben im wahrsten Sinn des Wortes „überrumpelt“. Einführung: Petra Löffler (Berlin).

Valentina Meissner
Pressedienst der Landeshauptstadt Düsseldorf

Bildquelle:

  • Filmmuseum Düsseldorf: carlstadt.de

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