Neueinstudierung ‚Der Golem‘ im Marionetten-Theater ab dem 19. September 2014

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Mit einer mystischen Kriminalgeschichte beginnt die Spielzeit im Düsseldorfer Marionetten-Theater: Ab dem 19. September geht der Golem um. Für die Wiederaufnahme der selten gezeigten Inszenierung aus dem Jahr 1989 mit ihren grotesk-phantastischen Traumbildern wurde die Ausstattung sorgfältig restauriert und das Spiel vollständig neu einstudiert.

 

Das Theaterstück

Der phantastische Roman „Der Golem“ von Gustav Meyrink (1868–1932) erschien 1913/14 als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift und wurde 1915 in Buchform veröffentlicht. Die Spielfassung des Düsseldorfer Marionetten-Theaters ist eine freie Bearbeitung des Romans durch die damalige Dramaturgin Susanne Kröber.  Aus der alten Prager Sage des auf göttliches Geheiß hin aus Lehm geschaffenen, mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten Golems entwickelt sich ein Psychothriller: In den engen Gassen des jüdischen Viertels in Prag wird der Künstler Pernath – eigentlich auf der Suche nach dem eigenen Ich – als fälschlich Beschuldigter in einen Frauenmord verwickelt.

 

Der Inhalt

Der Bildhauer Athanasius Pernath arbeitet in seinem Atelier im Prager Ghetto an einem Selbstbildnis. Als er nach längerem Ringen keine Fortschritte macht, beschließt er, sich im Gasthaus Abwechslung zu verschaffen. Dort trifft er seinen Freund, den Puppenspieler Zwakh, der gerade die Sage vom Golem erzählt, einem künstlichen Menschenwesen, das ein weiser Rabbi im Mittelalter aus Lehm geschaffen haben soll und das der Sage nach alle 33 Jahre erscheint, um Tod und Schrecken zu bringen. Zum Tarot-Spiel aufgefordert, nimmt Pernath anfangs das Spiel nicht ernst, doch sehr schnell zeigen ihm die Karten, dass er seine Erinnerung verloren hat. Bei dem darauf einsetzenden Tumult hat Pernath eine beklemmende Vision, die ihn in Ohnmacht fallen lässt. Der weise Hillel erweckt ihn mit mystischen Worten aus seiner Bewusstlosigkeit und eröffnet ihm, dass er sich nunmehr auf dem Weg zum wahren Wachsein befinde. In das verschlossene Zimmer seiner Vergangenheit können ihm aber nur die schmalen und verzweigten Pfade des Lebens führen, nicht die breite Straße des Verstandes.

Diese Pfade führen Pernath zu Hillels Tochter Mirjam, in die er sich verliebt hat, zur Begegnung mit dem geheimnisvollen Golem, dem er das vermeintliche Verschwinden Mirjams anlastet. Ob der alte Zwakh mit seinen Marionetten die Sage erzählt, ob Pernath durch die düsteren Gassen des Prager Ghettos streift oder ob er in der Synagoge seine geliebte Mirjam sucht – stets taucht der Golem auf und bringt geheimnisvolle Visionen mit. Pernath findet sein Atelier verwüstet vor und wird wegen Frauenmordes verhaftet. In seinem größten Schmerz beginnt er langsam zu verstehen… Er ist in kriminelle Machenschaften verwickelt worden, die es aufzuklären gilt. Wer aber ist der Golem? Die Antwort findet Pernath in einem unterirdischen Labyrinth, das gleichzeitig das Labyrinth seiner eigenen Seele ist…

 

Spieltechnik und Ausstattung visualisieren die Psyche

„‚Der Golem‘ mit seiner rätselhaften, dunklen Atmosphäre ist ein ausgewöhnliches, sehr anspruchsvolles und dabei sehr reizvolles Stück, das sich – wie nur wenige Stücke aus unserem Repertoire – ausschließlich an ein erwachsenes Publikum ab 14 Jahren richtet“, betont Theaterleiter Anton Bachleitner. „Bei unserm ‚Golem‘ wirken starke Bilder: unheimlich auf dem jüdischen Friedhof im Prager Ghetto, kafkaesk und grotesk im Gerichtssaal, jenseitig bei einer Fahrt mit dem Boot durch Nebelschwaden.“
Im reduzierten, expressionistischen, manchmal auch karikierend überzeichneten Bühnenbild vor schwarzem Hintergrund wird das Marionettenspiel durch weitere Techniken ergänzt: Die inneren Vorgänge der Hauptfigur werden als Visionen mit Mitteln des Schwarzen Theaters dargestellt, z.B. als agierende Tarot-Karten. Darüber hinaus werden vor der schwarzen Szenerie bei Tischfiguren Bewegungen möglich, die Marionetten nie ausführen könnten: Der Puppenspieler Zwakh vollführt als direktgeführte Tischfigur mit Händen, die greifen können, ein Puppenspiel als Spiel im Spiel. Die Hauptfigur Pernath, die (ebenfalls als Tischfigur gedoubelt) auf der Suche nach seiner Identität in das Labyrinth seiner Seele fällt, tritt sich schließlich sogar selbst gegenüber.  Rasche Szenenfolgen, harte Schnitte, ausgefeilte Tontechnik, Geräusche der Straße und die suggestive Musik von J. T. Lang erzeugen eine Spannung, die den Zuschauer unweigerlich gefangen nimmt.

„Die komplette Neueinstudierung des ‚Golems‘ bedeutet sehr viel Probenarbeit für das Ensemble, wird uns jedoch künstlerisch beflügeln und stellt eine echte Bereicherung für unseren Spielplan dar“, so Bachleitner. „Lassen Sie sich vom ‚Golem‘ in seinen düsteren Bann ziehen…“

„Der Golem“ im Düsseldorfer Marionetten-Theater, vom 19. September bis zum 18. Oktober 2014, Regelmäßige Vorstellungen: Mi-Fr 20 Uhr, Sa 15 und 20 Uhr, Geeignet für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren 

Kartentelefon und Infos: Tel. (0211) 32 84 32

Kontakt:

Düsseldorfer Marionetten-Theater
Bilker Str. 7 (im Palais Wittgenstein)
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 32 84 32

www.marionettentheater-duesseldorf.de

info@marionettentheater-duesseldorf.de

 

Bildquelle:

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