Paul Spiegel Filmfestival in der Black Box im Filmmuseum Düsseldorf, 19.-23.02.2017

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Paul Spiegel Filmfestival in der Black Box im Filmmuseum Düsseldorf, 19.-23.02.2017

Fünf Tage, zehn Filme: Zum zwölften Mal findet das Festival von Sonntag, 19. Februar, bis Donnerstag, 23. Februar, statt

Fünf Tage, zehn Filme, interessante Gäste und ein Konzert zum Abschluss – bereits zum zwölften Mal geben das Filmmuseum und die Jüdische Gemeinde Düsseldorf die Gelegenheit beim Paul Spiegel Filmfestival in die jüdische Kultur einzutauchen. Unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ zeigt das Programm von Sonntag, 19. Februar, bis Donnerstag, 23. Februar, eine spannende Auswahl von Dokumentar- und Spielfilmen in der Black Box, Schulstraße 4, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit jüdischer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen.

Mit einer Vorpremiere vor dem deutschen Kinostart von Robert Bobers neuem Dokumentarfilm „Wien vor der Nacht“ wird das Festival am Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr eröffnet. Bobers neuer Film ist ein sehr persönlicher Blick auf die Stadt Wien und das Leben seines Großvaters. Er lädt die Zuschauer auf einen imaginären Spaziergang durch die Stadt ein und entspinnt aus der Perspektive des Enkels Geschichten, die vom jüdischen Leben und den intellektuellen Strömungen der Zeit vor rund 100 Jahren berichten. Im Anschluss lädt das Festival zu einem kleinen Umtrunk im Foyer des Filmmuseums.

Ein Höhepunkt des Festivals ist der Abend mit Filmschaffenden am Montag, 20. Februar. Um 18 Uhr wird der Film „Linie 41“ gezeigt. Er handelt von zwei Männern auf Spurensuche in der Vergangenheit. Einerseits ein Jude, der im Ghetto in Lodz aufwuchs und sich nun auf die Suche nach dem tragischen Schicksal seiner Familie begibt. Andererseits ergründet der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Lodz, der ein ranghoher Nazi war, seine Familiengeschichte. Im Zuge der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kommt es zu Begegnungen, die die beiden Männer nicht für möglich gehalten hätten. Die Regisseurin Tanja Cummings wird anwesend sein und spricht anschließend mit dem Publikum über ihren Film. Um 20.30 Uhr präsentiert die Regisseurin Eren Önsöz ihr Werk „Haymatloz“. Direkt nach der Machtergreifung durch die Nazis verloren rund ein Drittel der Professoren ihre Stellungen an deutschen Universitäten. Was die Wenigsten wissen: zahlreiche jüdische Intellektuelle flüchteten in das unbekannte Exilland Türkei. Die Filmemacherin Eren Önsöz begleitet die letzten Nachkommen dieser Professoren an Schauplätze ihrer Kindheit.

Zum Abschluss des Filmfestivals am Donnerstag, 23. Februar, lädt die Jüdische Gemeinde zu einer kostenlosen Veranstaltung in den Leo-Baeck-Saal, Paul-Spiegel-Platz 1, ein. Der Film „The Other Europeans in: Der Zerbrochene Klang“ spürt der jüdisch-romanischen Musikkultur nach. Im Anschluss, circa 20.30 Uhr, tritt die Gruppe „Klezmer Tunes“ auf. Das Trio interpretiert jüdische Klezmermusik neu und mischt sie mit verschiedenen modernen musikalischen Einflüssen aus Jazz, Funk oder Rock ’n‘ Roll.


Filmprogramm des Paul Spiegel Filmfestivals

Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr
„Wien vor der Nacht“: Regie: Robert Bober, 73 Minuten, D, A, F 2016, DF, digital/DCP. Preview vor dem deutschen Kinostart. Im Anschluss: Empfang im Foyer des Filmmuseums.

„Wien vor der Nacht“ ist eine essayistische Zeitreise des Schriftstellers und Dokumentarfilmers Robert Bober, der als Regieassistent mit François Truffaut – einem der bekannten Regisseure der französischen Nouvelle Vague – zusammenarbeitete. Sein eigenes filmisches Werk umfasst rund 140 Dokumentarfilme, von denen sich ein Großteil der Nachkriegszeit und dem Holocaust widmet. Seine neueste Produktion ist ein sehr persönlicher Blick auf die Stadt Wien und das Leben seines Großvaters. Bober lädt die Zuschauer auf einen imaginären Spaziergang durch die Stadt ein und entspinnt aus der Perspektive des Enkels Geschichten, die vom jüdischen Leben und den intellektuellen Strömungen der Zeit vor rund 100 Jahren berichten. Vorfilm: „Es ist vollbracht! – Das Albert-Einstein-Gymnasium Düsseldorf nimmt seinen Betrieb auf“. Ilja Kagan und Julius Wieler haben auf Initiative von Herbert Rubinstein die schönsten Momente für das Festivalpublikum eingefangen. Für die Eröffnung sind Karten nur an der Tageskasse erhältlich.

Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr
„Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“: Regie: Viviane Andereggen, 85 Minuten, D 2015, DF, digital/DCP

Das Leben des zwölfjährigen Simon gerät gewaltig aus den Fugen: Seine Mutter hat die Familie verlassen und versucht einen Neustart als Autorin schlüpfriger Romane. Sein Vater stürzt sich indessen in das Gemeindeleben und etabliert die jüdischen Traditionen und Gebräuche zurück im Alltag. Auch Simon muss sich nun unter Zeitdruck mit den Wurzeln der jüdischen Traditionen auseinandersetzen. Seine Bar Mitzwa steht kurz bevor, doch er ist noch nicht beschnitten. Allein der Gedanke daran, lässt Simon mulmig zumute werden. Zu allem Überfluss verliebt er sich auch noch in die neue Rabbinerin der Gemeinde und löst mit seinen Freunden ein turbulentes Chaos im Familien- und Gemeindeleben aus.

Montag, 20. Februar, 18 Uhr
„Linie 41“: Regie: Tanja Cummings, 101 Minuten, D 2015, OmU, digital/DCP. In Anwesenheit der Regisseurin.

Zwei Männer auf Spurensuche in der Vergangenheit: Jahrelang verdrängte Natan Grossmann (Jahrgang 1927) seine Erinnerungen an die Zeit im Ghetto von Lodz. Der Drang zu vergessen, war so groß, dass er es vermied, die Umstände des Todes seiner Eltern und das Schicksal seines Bruders zu ergründen. Nun aber beginnt in Lodz Grossmanns späte Suche und es tauchen auch immer mehr Erinnerungen an die Eltern und das Leben in Polen auf. Jens-Jürgen Ventzki (Jahrgang 1944) begibt sich ebenfalls nach Lodz, denn auch ihn treibt die eigene Familiengeschichte an. Der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt versucht die beiden widersprüchlichen Facetten seines Vaters übereinanderzulegen: Liebevolles Familienoberhaupt einerseits, ranghoher Nationalsozialist und Täter andererseits. Im Zuge der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kommt es zu Begegnungen, die die beiden Männer nicht für möglich gehalten hätten.

Montag, 20. Februar, 20.30 Uhr
„Haymatloz“: Regie: Eren Önsöz, 90 Minuten, D 2016, OmU, digital/DCP. In Anwesenheit der Regisseurin.

Direkt nach der Machtergreifung durch die Nazis verloren rund ein Drittel der Professoren ihre Stellungen an deutschen Universitäten. Was die Wenigsten wissen: zahlreiche jüdische Intellektuelle flüchteten in das unbekannte Exilland Türkei. Staatsgründer Atatürk hatte die Deutschen eingeladen, an seiner ambitionierten Universitätsreform mitzuwirken. Die Filmemacherin Eren Önsöz begleitet die letzten Nachkommen dieser Professoren an Schauplätze ihrer Kindheit und erkundet mit ihnen ihre vielfältigen kulturellen Wurzeln. Mithilfe von fünf Protagonisten, die in der Türkei geboren und aufgewachsen sind, untersucht Önsöz dieses vergessene Kapitel deutsch-türkisch-jüdischer Geschichte, dessen Bedeutung bis in unsere Gegenwart reicht.

Dienstag, 21. Februar, 18 Uhr
„Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“: Regie: Natalie Portman, 95 Minuten, ISR 2015, DF, digital/DCP

Die Eltern des kleine Amos sind aus Osteuropa emigriert und hoffen wie viele andere ihrer Leidensgenossen im Jerusalem der 1940er Jahre auf das Entstehen eines israelischen Staates. Der Junge wächst in harten Zeiten auf, die von politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt sind. Amos Mutter, Fania, regt mit ihren Geschichten die Fantasie des Jungen an. In den turbulenten Zeiten dienen die Fantasiewelten als Zufluchtsort für den Jungen, der schon sehr früh erwachsen werden muss. Der Film basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Bestseller des israelischen Schriftstellers Amos Oz. Die aufwendig und düster inszenierte Literaturverfilmung ist das Regiedebüt von Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Natalie Portman, die zugleich in einer der Hauptrollen zu sehen ist.

Dienstag, 21. Februar, 20 Uhr
„Auf Wiedersehen, Kinder“ (Au revoir les enfants): Regie: Louis Malle, 104 Minuten, F, D, I 1987, OmU, digital/1080p. Mit Einführung von Helmut von Richter, Freundeskreis des Filmmuseums

Nominiert für den Oscar und ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen von Venedig (1987) sowie dem Europäischen Filmpreis (1988), erzählt der Film von der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Julien und Jean. Die beiden Jungen begegnen sich 1944 in einem Internat in Frankreich. Das anfängliche Misstrauen der beiden wandelt sich in Zuneigung und Freundschaft. Denn wie Julien erkennt, hat sein Gegenüber allen Grund verschlossen zu sein: Jeans eigentlicher Nachname ist nicht Bonnet, sondern Kippelstein und er wird von dem gutherzigen Leiter der Schule im Internat vor dem Zugriff der Nationalsozialisten versteckt.

Mittwoch, 22. Februar, 18 Uhr
„Abulele“: Regie: Jonathan Geva, 96 Minuten, ISR 2015, OmU, digital/DCP

Seit dem tragischen Tod seines älteren Bruders, hat der junge Adam in seinem Alltag ganz schön zu kämpfen. Nicht nur die eigene Trauer, sondern auch das schwierige Verhältnis zu den Eltern und Probleme in der Schule machen ihm ganz schön zu schaffen. Doch dann trifft er im Keller seines Wohnhauses eines Tages auf ein schwarzes Ungetüm, das sich nach dem ersten großen Schrecken als ziemlich verspielte Kreatur entpuppt und eine große Schwäche für zuckersüße Limonade hat. Die Anwesenheit von Adams neuem Freund Abulele lässt sich jedoch nicht lange verbergen. Adams Eltern, seine Klassenkameradin Tamar und sogar eine Spezialeinheit des Militärs kommen den beiden auf die Schliche. Adam muss sich etwas einfallen lassen, um seinen pelzigen Freund zu retten. Für Kinder ist der Eintritt frei. Empfohlen ab 8 Jahren.

Mittwoch, 22. Februar, 20 Uhr
„Mr. Gaga“: Regie: Tomer Heymann, 100 Minuten, ISR, S, D, NL 2015, OmU, digital/DCP

Ohad Naharin, aufgewachsen im israelischen Kibuzz Misra, wird weltweit als einer der herausragenden zeitgenössischen Choreographen gefeiert. Mit seiner ungewöhnlichen künstlerischen Vision sowie seinen mitreißenden Choreographien verhalf er der Batsheva Dance Company zu internationaler Bekanntheit. Naharin entwickelte als künstlerischer Leiter des israelischen Ensembles eine komplett neue Bewegungssprache: „Gaga“. Für ihn geht es dabei um Leidenschaft, herausbrechende Kraft, das Extreme, um die Lust des Moments und darum, Grenzen zu durchbrechen.

Donnerstag, 23. Februar, 18 Uhr
Leo-Baeck-Saal, Paul-Spiegel-Platz 1
„The Other Europeans in: Der Zerbrochene Klang“: Regie: Yvonne & Wolfgang Andrä, 122 Minuten, D 2011, OmU, digital/DVD. In Anwesenheit der Regisseurin und mit einem Grußwort von Bertrand Leveaux, Leiter des Institut français Düsseldorf.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten jüdische und Roma-Musikerfamilien in Bessarabien zusammen, heirateten untereinander und musizierten gemeinsam. Diese jüdischen Klezmer- und Roma-Lautarmusiker formten eine einzigartige Musikkultur, die durch den Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. 70 Jahre später begeben sich 14 international bekannte Musiker aus aller Welt auf eine Reise in diese Vergangenheit, auf der Suche nach den musikalischen „Eltern“ ihres Spiels. Voller Freude am Musizieren verarbeiten die Protagonisten ihre Eindrücke wiederum in ihrer Musik. Mit Händen und Füßen und über alle Sprachbarrieren hinweg ergeben sich so nicht nur mitreißende Musikstücke, sondern auch viel Gelächter und neue Freundschaften. Im Anschluss, circa 20.30 Uhr: Auftritt der Band „Klezmer Tunes“. Drei Vollblutmusiker, die die eingängigen Melodien aus der großen Fundgrube der jüdischen Klezmermusik auf ihre ganz spezielle Weise verarbeiten. Das einzigartige Klangbild des Ensembles ist durch so unterschiedliche Einflüsse wie Jazz, Funk, Gypsy, Bossa Nova und Rock’n’Roll geprägt. Der Eintritt ist frei. Für Veranstaltungen in der Jüdischen Gemeinde muss ein gültiger Personalausweis mitgebracht werden.

Landeshauptstadt Düsseldorf
Text: Meissner, Valentina

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